Die häufigsten Hürden beim Aussortieren
- Jasmin Wunderl

- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Teil 1
Wie oft hast du dir schon gedacht „Eigentlich sollte ich wieder einmal ausmisten“ … und hast es dann doch nicht gemacht?
Du siehst in deiner Wohnung jede Menge Dinge, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, und dein Zuhause fühlt sich an wie eine ewig lange To-Do-Liste. Kleidung, die du schon lange nicht mehr getragen hast. Spielzeug, für das deine Kinder längst zu groß sind. Küchengeräte, die du nie verwendest. Und dann wären da noch die vielen Erinnerungsstücke, Geschenke, Fehlkäufe und anderen Dinge, von denen du dich eigentlich trennen möchtest. Eigentlich … und trotzdem machst du es nicht.

Lass mich dir sagen, dass das nicht daran liegt, dass du faul oder zu wenig konsequent bist oder dir die Motivation fehlt. Und auch nicht daran, dass du „immer schon“ chaotisch warst. Ich denke eher, du scheiterst an den typischen Hürden, mit denen wir alle beim Aussortieren konfrontiert sind. Und plötzlich wird aus einer einfachen Entscheidung eine ziemlich schwierige.
Was also sind die häufigsten Hürden, die uns beim Aufräumen blockieren? Und wie kannst du sie überwinden?
Die „Wo soll ich anfangen?“-Hürde
Du hast dir fest vorgenommen, endlich auszumisten. Aber du hast keinen Plan, wo du eigentlich anfangen sollst. Denn in deiner ganzen Wohnung hast du irgendwelche „Baustellen“, Krimskrams-Ecken oder Flächen, auf denen du immer wieder „schnell mal“ was ablegst. Und vielleicht beginnst du deshalb immer irgendwo … und hörst dann genauso schnell wieder auf, weil du einfach komplett überfordert bist.
Daher mein Tipp: Fang klein an! Nimm dir nicht vor, an einem Wochenende deine ganze Wohnung oder gar das ganze Haus zu schaffen. Nimm dir lieber vor, dass du heute eine Schublade im Badezimmer aussortierst (zum Beispiel die mit dem Haarschmuck). Oder das Sockenfach in deinem Kleiderschrank. Oder die Gewürze in der Küche. Suche dir also bewusst einen kleinen, überschaubaren Bereich, den du in 15 bis 30 Minuten schaffen kannst. So siehst du schnell erste Erfolge und bist motiviert, weiterzumachen.
Und noch ein Tipp: Suche dir für den Start einen Bereich, wo sich wenig Gegenstände befinden, die mit Emotionen behaftet sind. Denn es fällt dir wesentlich leichter, abgelaufene Medikamente deiner Hausapotheke auszusortieren als die Kiste mit deinen Urlaubsmitbringseln.
Die „Was, wenn ich das irgendwann vielleicht doch noch brauche?“-Hürde
Die Angst vor einer Fehlentscheidung und die Sorge vor dem, was in Zukunft alles sein könnte, kann uns schnell dazu verleiten, überhaupt keine Entscheidung zu treffen. Und ja, vielleicht brauchst du die fünf Salatbestecke, die du in deiner viel zu kleinen Küche aufbewahrst, doch irgendwann, weil du bei dir zuhause eine große Party mit Salatbuffet machst. Oder vielleicht passt dir das Kleid, das du bei der Hochzeit deiner Cousine getragen hast, die längst wieder geschieden ist, doch wieder einmal. Und vielleicht benutzt du doch einmal den alten Wecker, den du gegen einen neuen ersetzt hast, weil dir der alte in der Nacht zu laut getickt hat. Mag sein, dass dieses „Irgendwann“ oder dieses „Vielleicht“ eintreten kann, aber wie wahrscheinlich ist das wirklich? Ich denke, dass wir die Dinge oft jahrelang für einen Fall aufbewahren, der wohl nie eintreten wird.
Mein Tipp: Bleib im Hier und Jetzt und frage dich: Wenn ich diesen Gegenstand nicht hätte – würde ich ihn hier und jetzt vermissen und würde ich ihn mir heute noch einmal kaufen? (Also zum Beispiel: Hättest du jetzt nicht fünf Salatbestecke auf Lager, würdest du sie dir heute kaufen nur für den Fall, dass irgendwann vielleicht … du verstehst, was ich meine.) Eine weitere hilfreiche Frage, die du dir stellen kannst: Passt dieser Gegenstand zu meinem jetzigen Leben? Brauche ich ihn derzeit für irgendetwas? Macht er mir jetzt Freude? Oder bewahre ich ihn nur auf für etwas, das möglicherweise in der Zukunft sein wird?
Denk daran, dass es für die meisten Dinge immer auch noch einen Plan B gibt. Alles, was du dir mit wenig Zeit- und Geldaufwand wieder besorgen könntest, muss nicht jahrelang deine Wohnung und deinen Kopf blockieren. Und sei ehrlich – wie oft hast du in der Vergangenheit etwas weggegeben und es später tatsächlich schmerzlich vermisst? Du darfst lernen, deinen Entscheidungen zu vertrauen!

Die „Das war aber einmal sehr teuer!“-Hürde
Wir hängen an vielen Gegenständen allein deswegen, weil sie einmal viel Geld gekostet haben. Vielleicht sind es die teuren Schuhe, die du kaum getragen hast, weil sie einfach zu unbequem sind. Ja, ich weiß, das tut weh … und damit meine ich nicht die Druckstellen an deinen Füßen, sondern dieses Gefühl, so viel Geld ausgegeben zu haben für etwas, das jetzt nahezu ungetragen bei dir herumsteht. Aber die Wahrheit ist: Das Geld ist bereits weg. Und zwar seit dem Moment, in dem du diese Schuhe gekauft hast. Und es wird auch nicht mehr zu dir zurückkommen, nur weil du sie ewig aufbewahrst. Dasselbe gilt für die Stereoanlage, mit der du früher täglich deine Lieblings-CDs abgespielt hast, die aber heute dank Streamingdiensten und Smartphone nur noch als Staubfänger herumsteht. Und ja, auch die war einmal richtig teuer.
Mein Tipp daher: Bedenke den „Preis des Behaltens“. Mach dir bewusst, welchen Preis du jetzt noch für diesen Gegenstand zahlst. Damit meine ich den Platz, den dieser Gegenstand in deinem Zuhause blockiert, die Zeit und die Energie, die er dich kostet, wenn du ihn immer wieder woanders hin räumst oder ihn putzen und pflegen musst, und deine Aufmerksamkeit, die er immer wieder auf sich zieht.
Bei Fehlkäufen kommt dann auch noch das schlechte Gewissen hinzu, wenn du diesen Gegenstand siehst und daran erinnert wirst, wofür du dein Geld ausgegeben hast. Aber: Nimm diese Erfahrung gerne mit, lerne daraus und überleg dir in Zukunft genauer, ob du diese Schuhe wirklich brauchst, nur weil sie schön aussehen.
Zwischenfazit
Das waren die ersten drei Hürden, die dir das Aussortieren ganz schön schwer machen können. Vielleicht hast du dich ja bei der einen oder anderen Frage wiedererkannt? Du siehst, es ist manchmal gar nicht so einfach, eine Entscheidung zu treffen. Da geht es gar nicht darum, dass wir den Gegenstand unbedingt behalten möchten, sondern dass wir Gründe dafür finden, warum wir ihn lieber doch noch einmal zurück in den Schrank stellen.
Und diese Hürden sind leider nicht die einzigen beim Aussortieren. Denn was machst du mit Dingen, die du geschenkt bekommen hast? Und mit Gegenständen, an denen Erinnerungen hängen? Oder mit all den Sachen, die du eigentlich gar nicht mehr brauchst, aber noch verkaufen möchtest?
Genau darum geht es dann im zweiten Teil dieses Blog-Beitrags – drei weitere Hürden beim Aussortieren und wie du ihnen mit etwas mehr Leichtigkeit begegnen kannst.
Jasmin Wunderl

Kommentare