Sentimental Clutter – Die Königsklasse beim Entrümpeln
- Kathrin Klarer-Engelhardt

- 2. Juni
- 5 Min. Lesezeit
Nur wenige sträuben sich, abgelaufene Lebensmittel oder die uralte ungeliebte Body-Lotion auszumisten. Aber dann gibt es da auch noch diese anderen Kategorien, die richtig gemeinen, wo man bei jedem Stück erst einmal eine halbe Stunde überlegen muss, ob man sich trennen kann. Kennst du die? Das sind die Dinge, zu denen du eine starke emotionale Bindung aufgebaut hast.
Es hat schon einen Grund, warum sich selbst Marie Kondo, die Ordnungsqueen, das Aussortieren von sentimentalem Gerümpel bis zum Schluss aufhebt. Was es mit ‚sentimental Clutter‘ auf sich hat und warum du dich diesem Thema auf alle Fälle stellen solltest, erzähle ich dir in diesem Blog-Artikel.

Was ist überhaupt sentimentales Gerümpel?
Dinge aus dieser Kategorie können, müssen aber nicht von hohem materiellem Wert sein. Eher im Gegenteil! Oft sind es die absurdesten kleinen Zeugsis, deren Wichtigkeit ein Außenstehender niemals erkennen würde. Dazu zählen unter anderem alte Briefe, verbogene Karten, Tagebücher vom Jahre Schnee, vergilbte Fotos, (ungeliebte) Geschenke, Kleidung aus den unterschiedlichsten Lebensphasen, Festivalbändchen, kitschige Souvenirs, Spielzeug, Schulhefte aus der 1. Klasse, Kinderzeichnungen, Kram von Ex-Partnern, die ersten fünfzig Krizikraxis von deinem Zweijährigen etc. etc.
Das ist generell völlig ok. Ich selbst habe mich gerade erst von meinen Milchzähnen getrennt (damals gab es noch keine Zahnfee). Aber wenn dein Aufhebwahn ausartet, ist es nicht mehr bereichernd, sondern erdrückend. Ich habe festgestellt, ich kann tatsächlich relativ gut ohne meine Milchzähne leben.
Warum fällt es dir so schwer, dich von sentimentalem Gerümpel zu trennen?
Manchmal merkst du gar nicht mehr, wie sehr dich dein ganzes Zeug belastet. Du glaubst, dass du ohne bestimmte Dinge unmöglich leben kannst, als würdest du deine Seele verlieren. Aber sehnst du dich nicht auch nach mehr Leichtigkeit, Freiheit und Raum zuhause? Dabei ist es recht einfach, das zu erreichen.
Hier ein paar Gründe, warum du dich festklammerst:
Ein Gegenstand ist für dich eine Abkürzung im Gedächtnis, z.B. erinnert dich ein Konzertticket an einen besonderen Abend und du glaubst, dass deine Erinnerung dadurch frischer bleibt.
Deine Identität klebt an einem Ding, z.B. erinnert es dich an frühere Leistungen oder Hobbys, eine Beziehung, an frühere Ziele, die du aufgegeben hast.
Du hast Verlustängste, z.B. das war dein erstes selbstgekauftes Was-auch-immer. Was, wenn diese geldlose Zeit zurückkehrt?
Du behältst Erinnerungsstücke von lieben Menschen, obwohl du die Sachen gar nicht hübsch findest. Z.B. das Geschirr deiner Oma füllt einen ganzen Schrank und du hast keinen Platz für dein eigenes, aktuelles Zeug.
Sehr oft sind es eher negative Gefühle, die dich an etwas binden – Angst, zu wenig zu besitzen, Angst vor schlechteren Zeiten, Angst, Erinnerungen zu verlieren oder ein schlechtes Gewissen.
Die Warum-Fragen
Kunden erklären mir häufig, warum sie sich von etwas nicht trennen können. Das geht nicht! Niemals! Das ist unmöglich! Soooo wichtig! Und dann kommen meine Warum-Fragen: Wenn das so unverzichtbar ist und von so hohem sentimentalem Wert, warum verstaust du es im letzten Winkel? Warum ist es komplett verstaubt, klebrig oder verbogen? Warum sagst du so oft „Des hob i scho gsuacht?“ Warum wusstest du gar nicht, dass du das Ding noch hast? Warum stellst du es nicht aus auf einem Regal oder hängst es an die Wand? Warum ist es nicht in einem Album oder einer schönen Box?
Wenn du Wertvolles so behandelst, belügst du dich selbst. Wertvolles gehört gewartet, gepflegt, gereinigt und geliebt. Sonst ist es nicht so sentimental behaftet, wie du denkst.

Tipps für den Entscheidungsprozess
Das Hauptproblem ist, dass so viele Menschen mit ihrem Kopf ständig an der Vergangenheit kleben oder in der Zukunft schweben. Die Gedanken drehen sich um Sorgen, Ängste oder Verluste und viel zu selten um Positives. Der Fokus auf das Hier und Jetzt geht völlig verloren.
Also schnaufe einmal tief durch, und überlege dir, was du JETZT willst? Wozu? Visualisiere dein ideales Zuhause. Schreibe es auch gerne auf. Dann schaffe dir eine gute Atmosphäre. Lüfte gründlich durch, sorge für einen guten Duft im Raum und ausreichend Licht. Vielleicht magst du auch Musik hören beim Ausmisten. Breite schließlich alles vor dir aus. Nimm wahr, wie viel es ist.
Nun suchst du dir deinen Lieblingsgegenstand aus, der nur Glücksgefühle in dir auslöst. Halte ihn an dein Herz und spüre hinein. An diesem Gegenstand orientierst du dich, wenn du die anderen Sachen in die Hand nimmst. Verbindest du echte Glücksgefühle mit allen oder machen dich manche sogar eher traurig? Erinnern sie dich an vermeintlich bessere Zeiten? Machen sie dich schwermütig? Sei ehrlich! Sind sie wichtig in deinem Leben oder dürfen sie weiterziehen?
Kinder und sentimentales Gerümpel
Aufräumen mit Kindern ist immer spannend. Warum? Weil Kinder deutlich mehr im Hier und Jetzt leben. Deshalb trennen sie sich oft wesentlich leichter von Dingen als ihre Eltern. Während diese am liebsten jedes Kunstwerk, jede Zeichnung, jedes Babyspielzeug etc. aufheben würden, sind die Sachen den Kindern egal. Volksschulkinder interessieren sich nicht für ihre Malereien aus dem Kindergarten. Sie trennen sich auch leichter von geschenkten Dingen, die ihnen nicht gefallen.
Wenn ihnen das Loslassen doch schwerer fällt, liegt es nicht selten an ihren Vorbildern. Du kannst deinem Nachwuchs von klein auf regelmäßiges Entrümpeln schmackhaft machen, dann werden sie richtige Profis. Besonders wichtige Erinnerungsstücke könnt ihr auch gemeinsam abfotografieren und in ein Fotobuch integrieren. Oder ihr stellt die Lieblingsstücke an einem bestimmten Ort in eurem Zuhause aus.
Lösungsansätze
Entrümpeln braucht natürlich etwas Übung. Aber ich verspreche dir, mit der Zeit wird es immer leichter. Schritt für Schritt verändern sich deine Denkmuster und du erkennst, was zählt. Wenn du in Gedanken hauptsächlich in der Vergangenheit verweilst und das meiste, was du besitzt, das widerspiegelt, kommst du nicht vom Fleck.
Jetzt willst du es doch schön haben, jetzt willst du entspannen, jetzt willst du Freiheit und Luft zum Atmen. Wenn du loslässt, tauschst du nicht Erinnerungen gegen Leere, sondern gegen Platz für Neues, das jetzt in dein Leben passt. Die Erinnerungen bleiben für immer in deinem Herzen.
Hier noch einige Vorschläge:
Du kannst dich nicht von deinem Baby-Zeug trennen? Dann wähle drei Stücke aus, die die Erinnerung am besten erzählen und suche einen schönen Aufbewahrungsort dafür.
Wenn du dir nicht sicher bist, lege Dinge vorerst in die gute alte Vielleicht-Kiste. Oft bemerkst du nach einem halben Jahr, dass dir Dinge eigentlich gar nicht so wichtig sind, und sie dürfen weg.
Mache kleine Schritte. Nimm dir mal vor, fünf Dinge pro Woche zu entrümpeln.
Manches kannst du auch innerhalb der Familie weitergeben. Möglicherweise hat jemand anderer viel mehr Freude damit.
Setze dir klare Grenzen, z.B. nur eine Box pro Lebensphase, ein Regal für Erinnerungen, maximal ein Raum in größeren Häusern. Stopfe nicht Keller, Dachboden und jeden Winkel voll.
Paradoxerweise erhöhen visuelle Grenzen den emotionalen Wert von Dingen, die bleiben dürfen. Es geht darum, bewusst sentimental zu sein. Willst du tatsächlich durch jeden zweiten Gegenstand in deinem Zuhause an die Vergangenheit gebunden sein?

Fazit
Wenn es dein tiefster Wunsch ist, etwas zu verändern, dann blicke tiefer und triff ehrliche Entscheidungen aus dem Herzen heraus. Denke beim Entrümpeln immer an dein klar formuliertes Ziel und male dir aus, wie schön du es nachher haben wirst.
Grundvoraussetzungen fürs Behalten sind:
der Gegenstand löst ein absolutes Glücksgefühl in dir aus, Freude und Dankbarkeit
er nimmt nicht zu viel Raum deines Zuhauses ein
du verbindest damit nur schöne Erinnerungen
du weißt, dass du das Ding in Zukunft bestens warten wirst. Du hast den Willen, die Zeit und Muße, die Motivation und die Ressourcen dazu.
Zum Abschluss noch ein Buchtipp für dich
von Nina Weistroffer
Ich wünsche dir gutes Gelingen! 😊
Kathrin Klarer-Engelhardt

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