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Vorbereitung auf das Lebensende

  • Autorenbild: Katrin Miseré
    Katrin Miseré
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Simone ist krank. Und über 80. Sie rechnet damit, dass sie jederzeit ins Krankenhaus muss und von dort nicht mehr nach Hause zurückkehren wird. Zwei ihrer drei Kinder leben nicht dort wo sie lebt - in Wien. Seit einigen Jahren schon macht sie sich Gedanken, wie sie ihren Kindern nach ihrem Tod die Wohnung hinterlassen wird. Ihr Wunsch ist: “Meine Kinder sollen so wenig Arbeit wie möglich haben. Ich weiß nicht, wieviel Zeit ich noch habe, also muss ich mich jetzt drum kümmern.”



Es besser machen als die Eltern


Bei Simone selbst war das anders. Ihre Eltern haben immer gesagt “Wenn wir sterben, dann schmeiß einfach alles weg.” Damit war für sie der Fall erledigt und die Verantwortung komplett an Simone abgegeben. Aber Simone wusste damals schon, dass sie es sich mit dem Hab und Gut ihrer Eltern nicht so einfach machen würde und hat viele Jahre Angst vor dieser Aufgabe. Das Verhältnis zu ihren Eltern hat das belastet. Denn: wie spricht man die eigenen Eltern auf ihren Tod an? Wie sagt man ihnen, dass man als Kind darüber nachdenkt, dass sie sterben werden? Und wie teil man ihnen mit, dass man sich bei diesem Gedanken neben der Trauer auch über die bevorstehende Mammut-Aufgabe sorgt?


In den Müll? So einfach ist das nicht


Als erst die Mutter, dann der Vater starben musste Simone die Wohnung innerhalb von 2 Monaten räumen. Wie befürchtet konnte sie es nicht über sich bringen, einfach “alles in den Müll zu schmeißen.” Sie wühlte sich durch ungeordnete Papiere, Dokumentenordner, Fotos, Kleidung, Krimskrams, einen überfüllten Keller. Ihre Gefühlswelt war in Aufruhr. Neben der großen Trauer meldete sich auch immer wieder Wut über ihre Eltern, die sie geweigert hatten ihre überfüllte Wohnung von Ballast zu säubern. Durfte sie Wut haben? War sie eine schlechte Tochter. Ihr schlechtes Gewissen lag ihr auf der Seele und hat sie bis heute nicht ganz verlassen. Diese Erfahrung wollte sie ihren Kindern ersparen und deshalb rief sie mich an.


Death cleaning wie die Schweden


Schön klingt er nicht, der Begriff. Zumindest nicht für unsere europäischen Ohren. Wie alles im Leben ist es aber eine Entscheidung: ignoriere ich die Tatsache, dass ich - wie alle Menschen - sterben werde, oder bereite ich mich auf mein Lebensende bewusst vor. Für Simone steht bei ihrer Entscheidung die Verantwortung im Vordergrund. Die Verantwortung für sich und ihre Dinge, aber vor allem die Verantwortung für ihre Kinder. Death cleaning kann auch ein wunderbarer Rückblick auf das eigene Leben sein. Man kann bewusst Abschied nehmen, aber auch die eigene Vergangenheit feiern.


Mit sich ins Reine kommen


Ein ehrlicher Rückblick bedeutet auch, dass man mit sich ins Reine kommt. Das ist natürlich nicht immer angenehm. Es kann sehr emotional werden - so wie das Leben eben. Wer aber diese Aufgabe übernimmt, hat einen unschätzbaren Benefit: man geht unbelastet durch den letzten Lebensabschnitt. Da das schwedische Konzept vorsieht, bereits ab 50 mit dem Death Cleaning zu beginnen bedeutet das für die allermeisten Menschen noch eine lange Zeitspanne.


Album mit alten Fotos
Album mit alten Fotos

Death Cleaning - die wichtigsten Schritte


Für Simone ist das Wichtigste, dass ihr Papierkram in Ordnung ist. Ihre Kinder sollen sich sofort zurechtfinden. Weil sie Zeitdruck verspürt, fangen wir also damit an. Überlicherweise mache ich den Papierkram immer zum Schluss. Das hat vor allem den Grund, dass Papier im Vergleich zum Zeitaufwand wenig optische Verbesserung bringt. Normalerweise folgt Death Cleaning keinem anderen Ablauf, als “normales” Ausmisten.


  1. Emotional wenig Belastendes: Was das ist, ist individuell. Es kann die Kleidung sein, die Küchenausstattung, die Bücher.

  2. Kategorie nach Kategorie: Das Ausmisten sollte immer nach Kategorien stattfinden. Das bedeutet, sich erstmal einen Überblick zu verschaffen, alle Dinge einer Kategorie zusammen zu tragen und dann zu entscheiden: Was ist Ballast und was dient mir noch?

  3. Erinnerungskiste und -ordner: Für emotional wichtige Gegenstände und Papiere empfiehlt sich eine Kiste und ein Ordner. Hier wird alles gesammelt, was die Meilensteine des eigenen Lebens symbolisiert. Dabei ist es sinnvoll für ein Ereignis nicht zig Stücke zu bewahren, sondern bestenfalls nur eines.

  4. Dokumente: Tipps zum Thema Papierkram finden Sie hier

  5. Fotos: Fotos sind eine ganz besondere Kategorie. Machen Sie sich keinen Druck - aber sehen Sie alle Fotos durch. Sie werden bemerkten, bei manchen Fotos wissen Sie vielleicht gar nicht mehr wo Sie waren, manche Fotos sind nicht gelungen, manche Fotos lösen in Ihnen rein gar nichts aus. Der Abstand von vielen Jahren kann sehr hilfreich sein. Heben Sie auf, was Sie POSITIV berührt und trennen Sie sich vom banalen Rest.


Death Cleaning ist Verantwortung und Rückschau


Eine Sichtung und Ordnung der eigenen Gegenstände ist eine Reise durch die eigene Biographie mit allen Höhen und Tiefen. Schließen Sie mit den Tiefen liebevoll ab und feiern Sie die Höhen. Dabei muss gar nicht der Blick auf den eigenen Tod im Vordergrund stehen, sondern die bewusste Gestaltung des letzten Lebensabschnitts.



Katrin Miseré

 
 
 

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